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Neujahrsempfang 2024 – der Rückblick

Der Neujahrsempfang 2024 der Ingenieurkammer Niedersachsen ist auf großes Interesse gestoßen: Präsident Prof. Dr.-Ing. Martin Betzler begrüßte in der Niedersachsenhalle des HCC Hannover Congress Centrums am 6. Februar 2024 rund 300 Gäste. Darunter viele Ingenieurinnen und Ingenieure, aber auch Vertreter aus der Politik und Verwaltung sowie aus anderen Berufsverbänden und Einrichtungen. In seiner Begrüßung skizzierte er die durch viele Herausforderungen geprägte Zeit: Die außenpolitische Lage ist durch Kriege schwierig, auch im Inneren des Landes herrscht Unruhe durch eine Vielzahl von Demonstrationen bei der Bahn, in der Landwirtschaft und durch Beschäftigte in der Gewerkschaft Verdi. Zusätzlich sind Fachkräfte knapp und der Bundeshaushalt für das laufende Jahr war verfassungswidrig und zog viele unpopuläre politische Entscheidungen nach sich.

Die Krisen haben also ihre Spuren hinterlassen. "Und leider ist auch unsere Baubranche betroffen", sagte Betzler. Besonders der Wohnungsbau bekommt die Folgen zu spüren. Ablesen lasse sich das daran, dass die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilien-, Zweifamilien- und Mehrfamilienhäuser zurückgegangen sei, erläuterte der Präsident. Und in den Zeiten von steigenden Zinsen und steigenden Baukosten sei etwas falsch gelaufen: "Ich glaube, die Politik hat hier zwei große Fehler gemacht", sagte Betzler. Sie habe den Menschen ihre Entscheidungen nicht klargemacht und habe noch dazu kurzfristige Entscheidungen getroffen.

Der Neujahrsempfang im Video:

Darum gebe es die Verunsicherung und das fehlende Vertrauen in der Bevölkerung. "Deshalb ist es wichtig, dass die Baubranche jetzt einen Wumms bekommt", betonte der Präsident. Ein guter Ansatz sei die sogenannte Umbauordnung, mit der das Bauen vereinfacht werden soll und die die Landesregierung auf den Weg bringt. Niedersachsen sei hier Vorreiter und die Ingenieurkammer habe darum einen bundesweiten Arbeitskreis zu dem Thema gegründet, um auch die anderen Bundesländer mitzunehmen. Er sehe in den gegenwärtigen Krisen aber auch eine Chance, da sich die Menschen dadurch Gedanken zum Beispiel über neue Baustoffe oder erneuerbare Energien machten, sagte Betzler. "Und für solche Lösungen werden Ingenieurinnen und Ingenieure gebraucht."

Olaf Lies, der Niedersächsische Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, sprach beim Neujahrsempfang ein Grußwort und ging ebenfalls auf die durch Krisen ausgelösten Herausforderungen des Jahres ein. Unter anderem müsse Energie, für die die Preise im Zuge der Krisen stark gestiegen waren, bezahlbar werden. Um für diese Aufgabe Lösungen zu finden, brauche es Ingenieure, so Lies. Außerdem wies er darauf hin, dass an der Niedersächsischen Bauordnung gearbeitet werde, und warf dabei die Frage auf: "Müssen wir eigentlich so bauen, wie wir heute bauen". Wichtig sei, dass man zu Lösungen für Wohnraum komme. Aber für schnelle Lösungen müsse man vielleicht die Wohnstandardsnormen ein bisschen abschwächen, führte Lies aus. Es gebe in Niedersachsen ein großes Anspruchsdenken beim Bauen und Wohnen. Und dieses steht dem Vorankommen oft etwas im Weg. "Den Menschen hilft kein Wohnraum, der nicht gebaut wird. Den Menschen hilft nur Wohnraum, der existiert", sagte der Wirtschafts- und Bauminister und verknüpfte damit die Aufforderung zu einem Umdenken.

Für seine Rede extra aus der Schweiz angereist war der Dozent für Militärökonomie Dr. Marcus Matthias Keupp von der ETH Zürich. Er sprach beim Neujahrsempfang zum Thema "Drei Jahre statt drei Tage – die Welt nach dem russisch-ukrainischen Krieg". Keupp beschrieb einerseits die wirtschaftlichen Folgen des russischen Angriffskriegs für Deutschland und machte dann deutlich, dass eine Anpassung an diese Situation notwendig sei. Durch politische Beschlüsse in der EU darf kein Öl aus Russland mehr nach Deutschland geliefert werden. Das hat unter anderem die große PCK-Raffinerie in Schwedt/Oder getroffen, die zuvor hauptsächlich russisches Rohöl in Treibstoffe verarbeitete. Doch die Raffinerie stellte ihre Einkäufe um und bezieht inzwischen Öl aus verschiedensten anderen Quellen. Dieses Beispiel zeigt nach Keupps Schilderung, dass Veränderungen möglich sind. Die erste Reaktion sei häufig, alles für undenkbar zu halten. Doch es müsse häufiger die Haltung geben, Dinge einfach zu tun. "Wir müssen umdenken. Die Energie kommt künftig vom Weltmarkt", sagte der Militärökonom. Und er fügte hinzu: "Und dieses Nachdenken braucht vor allem auch technische Lösungen". Und an diesem Punkt kommen wieder die Ingenieurinnen und Ingenieure ins Spiel.

Neben den wirtschaftlichen Folgen ging Keupp auch auf die Aufgaben bezüglich des Wiederaufbaus der Ukraine ein. Dort gebe es ein großes Potenzial. Bei dem Wiederaufbau könnten sich auch Ingenieurinnen und Ingenieure beteiligen. Keupp sagte ihnen: "Denken Sie nicht an die Ukraine als ein zerstörtes Land." Die Ukraine würde als Land weiter existieren und bräuchte den Wiederaufbau.

Verleihung der Stiftungspreise der Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen

Auf dem Programm stand beim Neujahrsempfang auch die Verleihung der Stiftungspreise der Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen. Diese Preise werden jährlich an Hochschulabsolventen für exzellente akademische Abschlussarbeiten aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften verliehen. In diesem Jahr gingen die Stiftungspreise an acht junge Ingenieurinnen und Ingenieure. Zwei von ihnen hatten Doktorarbeiten geschrieben, vier ihre Bachelorarbeiten und zwei jeweils eine Masterarbeit. Die Arbeiten waren aus 44 durch Hochschulen eingereichte Abschlussarbeiten ausgewählt worden. Alle Preisträgerinnen und Preisträger erhielten von der Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen eine Urkunde und ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro für ihre Leistungen. Der Präsident der Ingenieurkammer Prof. Dr.-Ing. Martin Betzler überreichte die Urkunden und sagte lobend: „Wenn ich mir die Arbeiten angucke, dann wird mir um das Ingenieurwesen in Niedersachsen nicht bange“.

Die Preise gingen an: Dr.-Ing. Mona Amer, Lea Beckemeyer B. Eng., Babette von Boetticher B. Eng., Noah Hehemann M. Sc., Carl Ole Janetzko B. Sc., Birthe Knabe M. Sc., Celina Pachaly B. Eng. und Dr.-Ing. Sebastian Thiery.

 

Mehr über die Stiftungspreisträger und ihre Arbeiten ist auf der Internetseite der Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen zu erfahren: hier

 

 

 

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