Hochwasser, Starkregen, niedrige Grundwasserstände – viele Herausforderungen für den Bau. Darum haben Ingenieurkammer und Architektenkammer zum Wassertag eingeladen.
„Wasser ist ein Thema, das uns alle auf ganz unterschiedliche Art betrifft“, sagte Stephan von Friedrichs, der Hauptgeschäftsführer der Ingenieurkammer Niedersachsen in seiner Begrüßung beim Wassertag. Und damit zeigte er den rund 200 Gästen aus Ingenieurwesen und Architektur gleich die Vielfältigkeit der Herausforderungen auf, die mit Wasser für die gebaute Umwelt verbunden sind: „Wir erleben Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände. Wir erleben darüber hinaus aber auch Starkregenereignisse und Hochwasserlagen, die oft ganz plötzlich und lokal auftreten.“ Diese gingen mit sehr vielen Schäden einher.
Beim ersten Wassertag, den die Ingenieurkammer Niedersachsen und die Architektenkammer Niedersachsen gemeinsam in Hannover ausrichteten, kamen viele Referentinnen und Referenten zusammen, die von Projekten berichten konnten, bei denen Sie diesen Herausforderungen bereits mit gezielten Maßnahmen entgegengetreten sind. Andere Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden lieferten Informationen, um die Gefahren besser verstehen und Vorsorge treffen zu können.
„Wir haben hier eine große Verantwortung“
Es muss etwas getan werden, darauf machte auch der Präsident der Ingenieurkammer Niedersachsen, Prof. Martin Betzler, aufmerksam. „Hier ist es ganz, ganz wichtig, dass wir Ingenieurinnen und Ingenieure, Architektinnen und Architekten zusammenarbeiten. Wir haben hier eine große Verantwortung“, sagte er und erinnerte an die großen Katastrophen, die durch Wasser zuletzt ausgelöst wurden: Das Weihnachtshochwasser 2023/2024 in Niedersachsen und zuvor die Flutkatastrophe im Ahrtal in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
In der Verantwortung steht natürlich auch die Politik. Und bevor Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Lösungen zum Umgang mit Wasser präsentierten, stellte zunächst Uta Schöneberg, Leiterin der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im niedersächsischen Umweltministerium vor, wie das Ministerium Hochwasser, Starkregen und Dürreperioden begegnen möchte. Maßnahmen dazu stehen im Masterplan Wasser, dessen Entwurf Schöneberg beim Wassertag erläuterte. „Es muss einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Wasser geben und das wollen wir mit dem Masterplan Wasser initiieren“, sagte die Abteilungsleiterin. Der Entwurf für den Masterplan Wasser enthält demnach mehr als 60 Maßnahmen und er soll Unterstützung leisten für Kommunen, die diese lokal anpassen könnten.
Drei Handlungsfelder im Masterplan
Insgesamt sieht der Masterplan drei Handlungsfelder vor: Nachhaltiges Wassermanagement, Schutz vor Wasser, Schad- und Nährstoffe reduzieren. Damit nimmt auch der Masterplan die verschiedenen Aspekte des Wassers in den Blick: Es geht um Wasserrückhalt in der Fläche und Gewässerentwicklung einerseits und andererseits um konkreten Hochwasserschutz und Starkregenvorsorge. Und die Wasserqualität soll verbessert werden.
Prof. Sebastian Niehüser von der Hochschule 21, der einen Vortrag über Starkregen hielt, war es ganz wichtig zu betonen, dass zum Hochwasserschutz und zur Starkregenvorsorge ein anderes Risikobewusstsein bei den Menschen erzeugt werden muss. „Wir müssen mit diesem Narrativ aufhören, dass ein 100-jährliches Ereignis alle 100 Jahre auftritt. Wir dürfen nicht vergessen: Ein 100-jährliches Ereignis kann auch drei Jahre in Folge auftreten. Das ist die Natur dahinter.“ Außerdem erläuterte er den Unterschied zwischen Hochwasser und Starkregen. Während Hochwasser an Flüssen eine Gefahr darstellt, kann Starkregen überall auftreten – auch an Hängen.
Vorsorge als kommunale Gemeinschaftsaufgabe
Dass Risikokommunikation und die Einbeziehung der Öffentlichkeit ein wichtiges Thema sind, betonte auch Heitmar Benson. Sie und Dr. Heike Neukum arbeiten bei der Kommunalen Umwelt-Aktion UAN und stellten ihren Praxisleitfaden zur Starkregenvorsorge vor. Sie machten deutlich, dass die Vorsorge als kommunale Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden müsse. Diese Vernetzung untereinander wird zum Beispiel durch das kostenlose Starkregen-Netzwerk ermöglicht, das die Umwelt-Aktion anbietet.
Ganz praktische Einblicke in das Thema Hochwasserschutz lieferten Christian Siemon und Gregor Molnar. Siemon, der bei der HGN Beratungsgesellschaft als Büroleiter in Braunschweig tätig ist, stellte ein Hochwasserwarnsystem und seine Funktionsweise vor. Das System misst Pegelstände an einem Gewässer und es wird der Zulauf für einen Eintrittsort bewertet.
Gregor Molnar, Prokurist bei der Planungs- und Beratungsgesellschaft Assmann Beraten + Planen, konnte von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Stellvertretender Bereitschaftsführer der Feuerwehr Braunschweig interessante Aspekte zur konkreten Bekämpfung eines Hochwassers beisteuern. So erklärte er, wie Wälle aus Sandsäcken zum Schutz errichtet werden. „Dort müssen Sandsäcke natürlich erst mal korrekt gefüllt werden“. Das müsse geübt werden. Trotzdem würde das Personal bei akuten Lagen ab einem gewissen Zeitpunkt ermüden. Um die Arbeit der Feuerwehr zu erleichtern, gibt es technische Hilfe wie eine Sandsackfüllmaschine, wie Molnar zeigte.
Was Planende beitragen können
Was können nun Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Architektinnen und Architekten bei Ihren Planungen beachten, um den Fluss des Wassers mitzudenken – einerseits zur Vorsorge gegen Überflutungen und andererseits, um Wasser besser nutzbar zu machen und nicht nur in die Kanalisation abzuleiten?
Darüber gaben mehrere Vorträge Aufschluss. Henriette Hartkopp vom Planungs- und Beratungsunternehmen Henning Larsen beschäftigt sich mit Integrierten Regenwasserkonzepten. Sie zeigte wie Retentionsflächen zur Versickerung des Regenwassers einerseits Schutz bieten und andererseits ein gestalterisches Element für Straßenzüge sein können. Auch ein Teich in einer Wohnanlage in Winnenden diente als Beispiel dafür, wie Wasser zur Bewässerung an der Oberfläche gehalten und gleichzeitig bei einem Starkregenvorsorge als gezielter Abfluss dienen kann. „Diese Maßnahmen müssen keine hässlichen Bauten sein, sondern können auch Orte sein, an denen sich Menschen gerne aufhalten“, sagte Hartkopp.
Julian Langner vom Amt für Mobilität und Tiefbau der Stadt Münster zeigte, wie beim Umbau einer ehemaligen Kaserne gezielt Flächen entsiegelt wurden und das Wasser durch den Einsatz von Rinnen an der Oberfläche zur Nutzung gehalten wurde. Carsten Rindfleisch von der Ingenieurgemeinschaft agwa wiederum erklärte, wie Mulden, die auf Grundstücken eingeplant werden, die Ableitung des Wassers gezielt beeinflussen können.
Insgesamt hat der Wassertag gezeigt, dass es für Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Architektinnen und Architekten viele Ansatzpunkte gibt, um das Wasser bei Bauprojekten von Anfang an mitzudenken. Sie können so ihren Beitrag leisten, um einerseits die Folgen von Hochwasser und Starkregen zu begrenzen und andererseits Regenwasser besser zu nutzen.




