Die Bundesingenieurkammer hat das Bauwerk am 23. April 2026 als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.
Das Doberaner Münster steht in besonderer Weise für die Entwicklung innovativer Konstruktionen im mittelalterlichen Ingenieurbau. Die feierliche Verleihung fand am 23. April 2026 in Bad Doberan statt.
81 Meter lang und 40 Meter breit
Das im späten 13. Jahrhundert errichtete Münster zählt zu den herausragenden Beispielen der Backsteingotik im Ostseeraum. Mit einer Länge von 81 Metern, einer Breite von 40 Metern und einer Raumhöhe von 26 Metern besitzt das Bauwerk die Maße einer Kathedrale. Es dokumentiert die erfolgreiche Übertragung der im Natursteinbau entwickelten gotischen Konstruktionsprinzipien auf das Material des Ziegels. Dabei entstanden eigenständige Lösungen, die den innovativen Charakter des Münsters bis heute ablesbar machen.
Dr. Christian Kayser, Autor der begleitenden Publikation, beschreibt das Bauwerk als „Pionierbau“. Es steht exemplarisch für die baukulturelle Leistung einer Epoche und einer Region. Die in diesem Zusammenhang entwickelten Bauweisen prägten den Kirchenbau im Ostseeraum über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg.
In der filmischen Dokumentation zur Auszeichnung betont Martin Heider, Münsterkustos: „Dadurch, dass ich sehr viel in den historischen Akten forsche, ist mir bewusst, in welch schlechtem Zustand das Münster in manchen Jahrhunderten war. Heute dazu beitragen zu können, dass diese vor über 700 Jahren erbaute Kirche und deren reiche Ausstattung erhalten bleiben kann, ist eine sehr schöne Aufgabe. Wir sind dankbar über die Fördergelder und Spenden, die dies ermöglichen.“
Stimmen
Christian Pegel, Minister für Inneres und Bau des Landes Mecklenburg-Vorpommern: „Bauwerke prägen Menschen und Regionen. Das Doberaner Münster unterstreicht dies eindrücklich. Die bautechnische Bedeutung des Münsters ist dagegen vielen Menschen sicherlich nicht bewusst. Deshalb freut mich diese Auszeichnung ganz besonders.“
Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer: „Das Ingenieurwesen ist eine traditionsreiche Profession. Schon immer haben Ingenieurinnen und Ingenieure anspruchsvolle Aufgaben gelöst. Die Ingenieurbauwerke in der Reihe der Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland sind allesamt technische Meisterleistungen und zeugen noch heute von der kreativen Vielfalt und Innovationkraft dieses Berufes.“
Dr.-Ing. Gesa Haroske, Präsidentin der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern: „Die Pflege der Baukultur ist uns als Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern ein wichtiges Anliegen. Die Auszeichnung macht deutlich, wer die Zukunft gestalten will, muss auch die Geschichte kennen. Uns freut, dass die Würdigung des Doberaner Münsters durch die Bundesingenieurkammer noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses technische Denkmal in Mecklenburg lenken wird.“
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die Publikation vorgestellt, die Baugeschichte, Konstruktion und ingenieurtechnische Bedeutung des Münsters umfassend darstellt und zentrale Aspekte eines mittelalterlichen Großbaus nachvollziehbar macht.
Über die Auszeichnung
Die Bundesingenieurkammer ehrt seit 2007 historisch bedeutende Ingenieurbauwerke mit dem Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Voraussetzung ist, dass sich die Bauwerke in Deutschland befinden und älter als 50 Jahre sind. Die Auszeichnungsreihe wird von den Ingenieurkammern der Länder und dem gemeinnützigen Förderverein „Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ unterstützt.
Mehr Informationen über die Auszeichnung finden Sie hier.
Quelle: Bundesingenieurkammer
