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Aktuelle Meldungen

Deutscher Brückenbaupreis 2027

© BIngK/VBI

Sechs Bauwerke sind für den Deutschen Brückenbaupreis 2027 nominiert.
Ein Bauwerk steht in Niedersachsen: die Friesenbrücke Weener, die die Ems überspannt. 

Die nominierten Brückenbauwerke zeigen eindrucksvoll, wie sich anspruchsvolle Verkehrsaufgaben, ein sparsamer Materialeinsatz und eine präzise Gestaltung verbinden lassen.

Die von Bundesingenieurkammer und VBI ausgelobte Auszeichnung würdigt besondere Ingenieurleistungen in den Kategorien Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Fuß- und Radwegbrücken.

 

Je drei Projekte hat die Jury in den Kategorien Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Fuß- und Radwegbrücken ausgewählt. Wir stellen die sechs Bauwerke vor und zeigen, welche Ingenieurleistungen sie auszeichnen. Ergänzend zu den beiden Wettbewerbskategorien wird auch der Sonderpreis Nachhaltigkeit vergeben. Welches Projekt diese Auszeichnung erhält, wird am Abend der Preisverleihung am 10. März 2027 in Dresden bekannt gegeben.
 

Kategorie: Straßen- und Eisenbahnbrücken

Der Überflieger: Mit Pylonen und Seilen eingeschoben

Am Autobahnkreuz Nürnberg Ost musste ein gekrümmter Überbau unter laufendem Verkehr entstehen. Der 588 Meter lange „Überflieger“ verbindet einen schlanken Stahlverbundüberbau mit niedrigen Pylonen und Schrägkabeln. Das sogenannte Extradosed-System nutzt die Seile zur Unterstützung des Brückenträgers. Besonders anspruchsvoll war das Taktschiebeverfahren: Der Überbau wurde einschließlich montierter Pylonköpfe und teilvorgespannter Kabel in seine Lage geschoben. Dadurch konnten Hilfsstützen im stark befahrenen Kreuzungsbereich weitgehend entfallen. Die großen Stützweiten ermöglichen zudem den Verzicht auf Pfeiler in den Autobahnmittelstreifen und schaffen Raum für einen späteren Ausbau.
 

Friesenbrücke Weener: Lastabtrag und Bewegungstechnik getrennt

Die Friesenbrücke Weener überspannt die Ems mit einem 335 Meter langen Stahlfachwerk. Neben einem Eisenbahngleis nimmt sie einen Fuß- und Radweg auf. Ihr 145 Meter langer beweglicher Überbau lässt sich anheben und drehen, um die Schifffahrtsöffnung freizugeben. Entscheidend ist die eigens entwickelte Hub-Drehsäule: Sie trennt den Lastabtrag von der Bewegungstechnik. So werden Ermüdungsbeanspruchungen der Maschinenteile reduziert. Gut zugängliche Komponenten erleichtern Wartung und Instandhaltung. Weitgehend vorgefertigte Bauteile wurden auf Pontons angeliefert und unter hohen Präzisionsanforderungen montiert.
 

Güßbacher Welle: Eine Tragwerkslösung für einen komplexen Verkehrsknoten

Die Güßbacher Welle führt die A73 bei Breitengüßbach über einen Verkehrsknoten mit viergleisiger Bahnstrecke, Bundesstraße, Wirtschaftsweg und Gewässer. Die starke Schiefwinkligkeit und der aufrechtzuerhaltende Verkehr stellten hohe Anforderungen. Für die beiden getrennten Stahlverbundüberbauten entwickelten die Planenden wellenförmige, dem Kräfteverlauf folgende Hohlkastenträger. Die Überbauten wurden vorgefertigt und längs eingeschoben. Eine Fahrbahnplatte mit geschlossenem Deckblech erlaubte Arbeiten über den Gleisen weitgehend unabhängig vom Bahnverkehr. Laut Jurybegründung verkürzte dies die Bauzeit um zwei Monate. Geschlossene Hohlkästen verringern zudem den Wartungsaufwand und die zu beschichtenden Flächen.
 

Kategorie: Fuß- und Radwegbrücken

Rathausbrücke Tuttlingen: Holz, Beton und Stahl gezielt kombiniert

Die Rathausbrücke verbindet die Innenstadt Tuttlingens mit dem Donauradweg. Ihr schlankes Tragwerk kombiniert Holz, Beton und Stahl: Ein Brettschichtholzträger wirkt mit einer darüberliegenden Betonplatte zusammen, während V-förmig gefächerte Stahlstützen die Lasten in den Baugrund leiten. Die Stützen beeinträchtigen den Hochwasserabfluss nur gering. Das semiintegrale Konzept nutzt feste Anschlüsse und eine flexible Stahlplatte, um auf wartungsintensive Lager und Fugen zu verzichten. Das Bauverfahren setzte zudem auf einen hohen Vorfertigungsgrad und die Fertigungsmöglichkeiten lokaler Betriebe. Die gestaltete Untersicht und die zurückhaltende Beleuchtung tragen zur Aufenthaltsqualität im Donaupark bei.
 

Sprung über die Emscher: Geschwungene Verbindung am Wasserkreuz

Am Wasserkreuz Castrop-Rauxel überspannt der „Sprung über die Emscher“ den Rhein-Herne-Kanal und die darunter geführte Emscher. Auf 411 Metern Bauwerkslänge gewinnt die Brücke die erforderliche Höhe für die Schifffahrt und erschließt zugleich angrenzende Parks. Ein asymmetrischer Stahlhohlkasten folgt der geschwungenen Wegeführung. Über der 108 Meter langen Hauptspannweite ergänzt ihn ein Zügelgurtsystem mit einem stark geneigten Pylon. Diese Konstruktion erinnert an einen silbernen Pfeil und erklärt den Beinamen „Silver Arrow“. Großzügige Treppenanlagen verbinden das Tragwerk mit Aufenthaltsbereichen und binden es in die Landschaft ein.
 

Stadtgrabenbrücke Lübeck: Schlanke Fahrbahn mit weniger Beton

Die Stadtgrabenbrücke in Lübeck verbindet wichtige Verkehrsachsen mit der Altstadtinsel und liegt in einem sensiblen Naturraum. Zwei schlanke Stahlhohlkastenträger bilden ein integrales Tragwerk, das ohne Lager und Fahrbahnübergänge auskommt. Eine Besonderheit ist die zwölf Zentimeter dicke Orthoverbundplatte aus einem Stahldeckblech und carbonbewehrtem Beton. Die korrosionsfreie Bewehrung erlaubt geringere Betondeckungen. Durch Betonauswahl und Fahrbahnausbildung sank der Betonanteil gegenüber einer konventionellen Fahrbahn um etwa 33 Prozent. Zurückgesetzte Widerlager halten den Uferbereich weitgehend offen. Eine in den Handlauf integrierte Beleuchtung begrenzt Lichtstreuungen in den angrenzenden Naturraum.
 

Preisverleihung am 10. März 2027

Die feierliche Preisverleihung findet am 10. März 2027 statt – traditionell am Vorabend des Dresdner Brückenbausymposiums. Zur Veranstaltung wird auch der Bundesverkehrsminister erwartet.

Ausführliche Informationen zu den nominierten Bauwerken und zum Wettbewerb finden Sie unter

www.brueckenbaupreis.de.