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Ingenieurkammer Niedersachsen

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Neujahrsempfang: Politprominenz zu Gast bei der Ingenieurkammer

Das Kammerjahr begann gewohnt erfolgreich am 23. Januar 2020 mit dem gut besuchten Neujahrsempfang der Ingenieurkammer Niedersachsen. Präsident Hans-Ullrich Kammeyer begrüßteweit mehr als 400 interessierte Ingenieurinnen und Ingenieure, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aus Hochschulen, Kammern und Verbänden in der Niedersachsenhalle des Hannover Congress Centrum. Die Gastredner in diesem Jahr waren der niedersächsische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Dr. Bernd Althusmann, Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie Prof. Dr. Armin Grunwald vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Leiter Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) .

Mit besonderer Verantwortung für die Gesellschaft appellierte Präsident Kammeyer an seine Ingenieurkolleginnen und -kollegen ihre herausragenden Ingenieurbauleistungen in Bau und Infrastruktur öffentlich noch stärker sichtbar zu machen. Gut eine Million Ingenieurinnen und Ingenieure seien in der Bundesrepublik tätig, die wesentlicher Teil der Wettbewerbsfähigkeit sind. Ein gewaltiges Sprachrohr, so der Präsident, welches es mit Mut zur eigenen Leistung auch zu nutzen gelte.

Die Freiberuflichkeit und die Spezialistenberufe betonend sprach er sich für klare und eindeutige Regelungen zum Ziel der Qualitätssicherung aus und betonte, grundlegend für ein gesichertes Aus- und Fortbildungsniveau ebenso wie als Folge aus dem Inkohärenzurteil des EuGH mit Selbstverständnis für die geforderten Berufsrechtsvorbehalte einzutreten. Die Ingenieurqualität im Land zu erhalten sei auch vor dem Hintergrund ständig wachsender technischer Herausforderungen wie der Digitalisierung und den mannigfachen Auswirkungen des Klimawandels dringend erforderlich, schloss er.

Die Jahreswünsche der Landesregierung und die Begrüßung durch Minister Bernd Althusmann fiel bei den Ingenieurinnen und Ingenieuren auf fruchtbaren Boden: „Sie sind Teil des Erfolges Deutschlands“, versicherte der Minister auch vor den anwesenden politischen Vertreterinnen und Vertretern. Ingenieure sind Innovationstreiber und die Zusammenführung von Ökonomie und Ökologie werde nur mit Ingenieurkunst zum Erfolg, betonte der Minister: „Ingenieurinnen und Ingenieure sind Dreh- und Angelpunkte vieler Zukunftsprojekte.“ Mobilität, Energie, Life Science, Künstliche Intelligenz, Infrastrukturen, Ernährungswirtschaft oder Digitalisierung sind Beispiele für aktuelle große gesellschaftliche Herausforderungen. „In den nächsten Jahren werden wesentliche Weichen für die zukünftige Entwicklung unseres Landes gestellt“, signalisierte Althusmann und zitierte die Innovationsagenda Niedersachsen 2030, die auch den Fachkräftemangel zum Zukunftsthema macht.

In den derzeit aufgeheizten Diskussionen um die Zukunftsfähigkeit der eigenen Forschungsstandorte stellte er tiefgreifende Fragen: Welche Rolle spielen wir 2030? Werden wir die richtigen Entscheidungen treffen? „Wir befinden uns im Wettbewerb der Systeme“, erklärte der Minister. „An Geld fehlt es nicht. Wir sind zu langsam. Unsere Planungs- und Genehmigungsprozesse sind viel zu lang“, kritisierte Althusmann. Der Minister blickt nicht gern zurück, lieber voraus: „Seien wir etwas die Gründergeneration“, knüpfte er an die Nachkriegsgeschichte an. Gesellschafts- wie wirtschaftspolitisch forderte er zu mutigen Entscheidungen und schnellem Handeln auf. Die Politik im Rückspiegel zu sehen, sei der falsche Weg. „Der Blick muss durch die Frontscheibe gehen – das ist der richtige Weg.“ „Ideen haben, mit Ideen vorangehen, mit Ideen begeistern“, gab er den Ingenieurinnen und Ingenieuren mit auf den Weg und dabei auch den Mut zu unbequemen Entscheidungen zu haben, etwas als nicht erfüllbar zu bezeichnen, auch mal Nein zu sagen. Dem Berufsstand sicherte er eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Kammerebene zu und sprach sich für die Verbesserung der Fortbildungspflichten und eine vorgesehene Mitgliedschaft der Entwurfsverfasserinnen und Entwurfsverfasser in der Ingenieurkammer aus.

Die Baubranche im Umbruch: Staatssekretärin Anne Katrin Bohle skizzierte die jüngsten Entwicklungen aus Bundessicht und sprach die wichtigen Themen HOAI, Klimapakt, Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und Gebäudeenergiegesetz (GEG) aber auch das neue Bauproduktengesetz und seine Auswirkungen sowie die Weiterentwicklung von Normen an. Am Beispiel von Digitalisierung und BIM forderte auch sie zu Mut und Zuversicht auf, technische Entwicklungen voranzubringen. Im baufachpolitischen Diskurs lobte sie Transparenz, Intensität und Expertise. „Der Mittelstand ist die Basis der Republik“, unterstrich die Staatssekretärin im Hinblick auch auf die zukunftsträchtige Zusammenarbeit mit den Verbandsstrukturen. Die Bauwirtschaft sei Motor der Wirtschaft in der Bundesrepublik, auf ihren Ingenieuren baue die berechtige Chance auf Zukunft und die Bereitschaft, in den qualitativen Wettbewerb zu gehen. Sie dankte Präsident Kammeyer insbesondere für das vertrauensvolle Wirken auf Bundesebene.

In seinen Ausführungen zur Verantwortung in der Klimakrise – Hoffnung auf neue Technik? ging Prof. Armin Grunwald als Philosoph auf die politisch gewollte Beschleunigung bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen ein; dies sei nicht selbstverständlich vereinbar mit dem Verständnis gründlichen Nachdenkens, seinem Vernehmen nach. Mit Klimakrise, Klimanotstand und Engpässen in der Energieversorgung machte er auf Szenarien und Verantwortungsthemen neuer Größenordnungen aufmerksam. Was ist zu tun, damit Technik nachhaltig wird? Und wer trägt die Verantwortung für nachhaltige Entwicklungen? In langen Transformationsprozessen sollten Optionen weiterentwickelt und Denken in Alternativen befördert werden. Er forderte zu Offenheit für Umdenken auf und band dabei auch die Konsumenten in die Gesamtverantwortung mit ein. Verantwortung operativ machen und bis in konkrete Entscheidungsprozesse einbinden hieße sich neue Verhaltensmuster anzueignen und Offenheit zur Aufgabe machen.
Die Ingenieurinnen und Ingenieure ermunterte er, arbeitsteilige Verantwortung zu übernehmen und in die interdisziplinäre Kommunikation zu treten: „Erheben Sie Ihre Stimme in der Öffentlichkeit.“ Die Chance auf gute Entscheidungen hätten die Ingenieurinnen und Ingenieure, sie stehen für Qualitätssicherung und -entwicklung und werden gebraucht.

Höhepunkt für den wissenschaftlichen Nachwuchs: Im Rahmen des Neujahrsempfangs der Ingenieurkammer Niedersachsen zeichnete die Stiftung der Ingenieurkammer Niedersachsen auch ihre Preisträgerinnen und Preisträger aus. Die Preisverleihung nahm der Stiftungsvorsitzende Hon.-Prof. Hans-Georg Oltmanns zusammen mit Präsident Hans-Ullrich Kammeyer vor. Zwei Jungingenieurinnen und vier Jungingenieure präsentierten ihre Forschungsarbeiten vor breitem Publikum und nahmen ihre Preise sichtbar freudig und stolz auf großer Bühne entgegen. Es gratulierten auch Prof. Amin Grunwald, Vizepräsident Frank Puller und Vizepräsidenten Marlis Bock-Thürnau.

Die Stiftungspreise werden in Anerkennung hervorragender wissenschaftlicher praxisnaher Studienarbeiten jährlich vergeben. Prämiert wurden in diesem Jahr eine Bachelor-, vier Master- und eine Doktorarbeit.

Stiftungspreisträgerinnen und -preisträger 2019 sind:

  • Niklas Freund M.Sc. | Masterarbeit
    Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Leichtweiß-Institut für Wasserbau
    Untersuchung zur morphodynamischen Wirksamkeit von Offshore-Wellenbrechern an der Hörnum-Odde/Sylt
  • Martin Gropengießer M.Sc. | Masterarbeit
    Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik
    Erweiterung einer Auswerteroutine zur Analyse akustischer Moden in Strömungsmaschinen
  • Dr.-Ing. Christopher Schindlbeck | Doktorarbeit
    Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Mess- und Regelungstechnik
    A Predictor-Corrector Framework for the Robot-Assisted and Automated Assembly of Optical Systems
  • Anna Wellmann | Bachelorarbeit
    Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für rechnergestützte Modellierung im Bauingenieurwesen
    Entwicklung und Integration eines Nagel-Schreckenberg-Modells in einen CFD-Solver zur Simulation von Schadstoffausbreitungen im urbanen Raum
  • Sandra Wiese | Masterarbeit
    Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für Statik
    Numerische Analyse von Holzkonstruktionen unter Berücksichtigung des gekoppelten anisotropen hygro-mechanischen Materialverhalten
  • Thomas Wolgast | Masterarbeit
    Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Institut für Systems Engineering
    Evaluating Agent Based Voltage Control Concepts in the Distribution Grid

Die Ingenieurkammer Niedersachsen gratuliert herzlich.

Fotos: © Christian Wyrwa