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Ingenieurkammer Niedersachsen

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Hohenzollernstr. 52
30161 Hannover

Telefon 0511 39789-0

Fax 0511 39789-34

kammer(at)ingenieurkammer.de

Sachverständiger werden

Die Bezeichnung „Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ ist eine gesetzlich geschützte Bezeichnung. Das Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen genießt deshalb eine erhöhte Glaubwürdigkeit, sei es zur Beurteilung eines Gebäudeschadens, der Bewertung einer Immobilie oder dass ein bestimmter Zustand für eine Beweissicherung festgehalten werden soll. Oft bietet es auch die Grundlage für eine außergerichtliche Streitbeilegung.

Die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen ist deshalb die Zuerkennung einer besonderen Qualifikation in einem staatlichen Prüfungsverfahren und damit ein Qualitätssiegel besonderer Art. Diese Bezeichnung darf nur führen, wer von einer öffentlich-rechtlichen Institution bzw. Körperschaft bestellt und vereidigt worden ist. Dies sind die Ingenieurkammern, Industrie- und Handelskammern, Architektenkammern, Handwerkskammern und Landwirtschaftskammern.

Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige haben vor der Bestellungskörperschaft den Nachweis der persönlichen Eignung und der Besonderen Sachkunde erbracht, um diese geschützte Bezeichnung zu erlangen. Sie genießen deshalb in der Öffentlichkeit ein hohes Maß an Wertschätzung und Vertrauen. Die Ingenieurkammer Niedersachsen nimmt hier eine wichtige gesetzliche Aufgabe wahr. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige unterliegen außerdem der Aufsicht durch die Bestellungskörperschaft.

In einem anspruchsvollen Prüfungsverfahren muss der Sachverständige vor der öffentlichen Bestellung seine persönliche Eignung nachweisen, die Fähigkeit zur Gutachtenerstellung und die Besondere Sachkunde im Bestellungsgebiet belegen.

„Besondere Sachkunde“ bedeutet, dass sich der Sachverständige in seinem fachlichen Können deutlich vom Durchschnitt seiner Berufskollegen hervorhebt. Der Sachverständige wird außerdem auf die ordnungsgemäße und gewissenhafte Ausübung seiner Tätigkeit vereidigt und ist zur ständigen Fort- und Weiterbildung verpflichtet.

Die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen erfolgt ausschließlich im öffentlichen Interesse. Sie hat den Zweck, Gerichten, Behörden und der Öffentlichkeit besonders sachkundige und persönlich geeignete Sachverständige zur Verfügung zu stellen. Gerichte sind angehalten, für eine Gutachtenerstellung vor allem öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige heranzuziehen.

Bestellungskörperschaft

Die Ingenieurkammer Niedersachsen, Körperschaft des öffentlichen Rechts, nimmt durch gesetzlichen Auftrag gemäß § 36 Gewerbeordnung in Verbindung mit § 27 Absatz 1 Nr. 9 des Niedersächsischen Ingenieurgesetzes wie einige andere Ingenieurkammern auch die wichtige Aufgabe der öffentlichen Bestellung von Sachverständigen auf allen Gebieten des Ingenieurwesens wahr, vom Bauwesen bis zur Verkehrsunfallrekonstruktion. Von der Ingenieurkammer Niedersachsen sind zurzeit über 150 Sachverständige öffentlich bestellt und vereidigt. Die Anforderungen an die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und deren Pflichten sind in der Sachverständigenordnung (SVO) der Ingenieurkammer Niedersachsen geregelt.

Voraussetzungen

Für das angestrebte Bestellungsgebiet muss ein allgemeines, öffentliches Bedürfnis und Interesse bestehen, d. h., zunächst wird der „abstrakte“ Bedarf an Sachverständigenleistungen von der Ingenieurkammer Niedersachsen geprüft. Der Antragsteller selbst muss aber auch bestimmte Voraussetzungen nachweisen, ohne die er nicht bestellt werden kann. Diese Voraussetzungen werden in § 3 der Sachverständigenordnung der Ingenieurkammer Niedersachen geregelt. Der Sachverständige muss sowohl die Besondere Sachkunde im Bestellungsgebiet wie auch die persönliche Eignung vor der Ingenieurkammer nachweisen. Unter der persönlichen Eignung sind unter anderem Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit zu verstehen.

Antragsverfahren

So werden Sie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger

Die öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen ist bei der Ingenieurkammer Niedersachsen schriftlich zu beantragen. Das Antragsverfahren wird nach den Vorschriften der Sachverständigenordnung (SVO) und der Richtlinie zur SVO, die das Prüfungsverfahren regelt, durchgeführt. Das Verfahren dauert in der Regel ca. ein bis zwei Jahre. Die Bezeichnung des gewünschten Bestellungsgebietes ist im Antrag auf öffentliche Bestellung anzugeben, die Nomenklatur der Bestellungsgebiete wird durch die Ingenieurkammer zur Verfügung gestellt und bietet dabei Orientierung.

Mit dem Antrag sind zahlreiche Unterlagen einzureichen. Unser gesondertes Informationsblatt  verschafft Ihnen einen Überblick.

Während des Antragsverfahrens stellt die Ingenieurkammer Niedersachsen die persönliche Begleitung und individuelle Beratung und Betreuung durch die zuständigen Mitarbeiter der Geschäftsstelle sicher. Im Sachverständigenausschuss, der aus neun Mitgliedern verschiedener Fachrichtungen des Ingenieurwesens zusammengestellt ist, werden alle Antragsverfahren beraten und erörtert. Der Sachverständigenausschuss der Ingenieurkammer kommt in der Regel alle drei Monate zusammen, sodass immer Bewegung im Verfahren ist und auch kurzfristige Entscheidungen und Beschlüsse gefasst werden können.

Sobald der Antrag vollständig ist und alle formellen Bestellungsvoraussetzungen nach § 3 Sachverständigenordnung der Ingenieurkammer Niedersachsen erfüllt sind, beginnt das Prüfungsverfahren, welches in der Richtlinie zur Sachverständigenordnung (SVO) explizit geregelt ist.

Die Gutachten des Antragstellers werden von der Geschäftsstelle an die zuständige Prüfungskommission der Ingenieurkammer Niedersachsen weitergeleitet, die in der Regel aus einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern besteht. Sofern der Sachverständige von der Prüfungskommission zur Prüfung der Besonderen Sachkunde empfohlen wird, besteht die Prüfung gemäß Nr. 10.1 der Richtlinie zur SVO aus drei Teilen

  • einem schriftlich und/oder mündlich forensischen Teil
  • einem schriftlich fachbezogenen Teil sowie aus
  • einem mündlich fachbezogenen Teil.

In der Prüfung der Besonderen Sachkunde müssen erheblich über dem Durchschnitt liegendes Fachwissen im Bestellungsgebiet und allgemeine Kenntnisse der Sachverständigentätigkeit nachgewiesen werden.

Die Prüfung ist bestanden, wenn in jedem Prüfungsteil mindestens 2/3 der möglichen Punkte, also ca. 67 %, erreicht wurden. Schwächen aus den schriftlichen Teilen können im mündlichen Teil zum Bestehen der Prüfung ausgeglichen werden.

Die öffentliche Bestellung erfolgt in der Regel für fünf Jahre befristet und kann auf Antrag erneuert bzw. verlängert werden.

Für Sie zusammengestellt: Wichtige Informationen zum Antragsverfahren

Sie interessieren sich für eine öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen?

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns. Auch für ein persönliches Beratungsgespräch in der Geschäftsstelle der Ingenieurkammer stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Ansprechpartner/in

Fred Charbonnier
Sachgebietsleiter
0511 39789-17
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Yildiz Kara
0511 39789-22
E-Mail
Anahita Gamoori
Sekretariat
0511 39789-31
E-Mail