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Hochschule Osnabrück, Campus Lingen

Kombination von Studium und Berufsausbildung: Das Duale Studium an der Fakultät Management, Kultur und Technik

Prof. Dr. Wolfgang Arens-Fischer ist Studiendekan am Institut für Duale Studiengänge und Professor für Unternehmensführung und Engineering am Campus Lingen. Eine gute Kombination, wenn man über das Thema Ingenieurverantwortung und Ethik nachdenkt. Sein Augenmerk liegt hierbei nicht nur bei der Vermittlung von Ingenieurwissen, sondern auch auf der Arbeitsforschung und der Veränderung von Organisationsstrukturen. 1000 Studierende absolvieren derzeit ihr Duales Studium und 500 Unternehmen sind im Emsland und darüber hinaus daran beteiligt, dass auch der praktische Teil des Studiums gut abgedeckt werden kann. Durch persönliche Kontakte und jahrelang bewährte Kooperationen sind im Unternehmensportfolio der Hochschule zum Beispiel der Landmaschinenhersteller Krone oder die Firma Rosen, die weltweit für ihre Pipelinetechnik bekannt ist. Diese Unternehmen stellen zum Beispiel selbstfahrende Dresch- oder Mähmaschinen her oder produzieren Sensortechnologien für kleine Technikeinheiten, die wie ein Mini-U-Boot durch Ölpipelines fahren und Lecks oder Störungen aufspüren.

High-Tech Studium im alten Lokschuppen

Schon vom unmittelbar benachbarten Lingener Bahnhof kann man den Campus sehen. Die Nähe erklärt sich aus der Geschichte des Gebäudes. Die denkmalgeschützten Hallen sind 200 Meter lang und beherbergten früher das Eisenbahnausbesserungswerk. Hier wurden an riesigen Kränen Dampflokomotiven repariert, große Teile der Metallkonstruktionen sind heute noch vorhanden und hängen unter der Glaskonstruktion, die den Campus nun vollständig überdacht. So kann man sie als einen Teil lebendiger Ingenieurgeschichte heute noch sehen. Aber museal wirkt das Gebäude dennoch nicht. Unter dem Glasdach wurde nach dem Haus-im-Haus Prinzip neu gebaut und die Anmutung des Innenlebens ist so, wie es sich Studierende heute wünschen: zweckmäßig gestaltet in freundlichem Design und mit modernster Technik ausgestattet. In der großen Halle stehen mehrere Bäume und erzeugen so das Gefühl, irgendwie doch draußen zu sein und nicht drinnen unter dem Glasdach. Sitzecken laden zum Verweilen ein, ebenso die Sonnenschirme unter denen Heizstrahler für kalte Wintertage angebracht sind. Der Standort für Ingenieurausbildung ist allerdings auch sehr traditionell: schon viele Jahre nannte sich diese Ausbildungsstätte zunächst „Berufsakademie Emsland“ und ab 1989 wurde der Name in Hochschule geändert. 1993 gab es hier erstmals den Studiengang „Wirtschaftsingenieur“ und seit 2003 das Duale Bachelor-/ Master-Studium.

Studentenleben im Legoland

Blickt man über die Straße, sieht man das, was hier am Campus nur „Legoland“ genannt wird: das Studentenwohnheim. Bunte Würfel in Knallfarben beherbergen Studentenwohnungen, die sich immer zwei Studierende teilen. Die anstrengenden Castings für WG-Zimmer oder überhaupt bezahlbaren Wohnraum wie sie an anderen deutschen Hochschulstandorten an der Tagesordnung sind, scheinen hier unbekannt zu sein. Auch über die Wohnungsbelegung hat man sich am Campus Lingen Gedanken gemacht. Eine Wohneinheit ist immer für zwei Personen konzipiert und wird so vergeben, dass eine davon in der Praxisphase in einem Unternehmen ist und die andere gerade am Campus theoretische Inhalte vermittelt bekommt. Das hat sich bewährt und der Erfahrungsaustausch ist eine Bereicherung für beide Mitbewohner.

Duales Studium

Das duale Bachelor-Studium besteht aus sechs Semestern. Die Hälfte der Zeit verbringt ein Studierender in der Hochschule, die andere in einem Betrieb. Praxis- und Theoriephasen wechseln sich ab. Professor Arens-Fischer ist stolz darauf, dass die Adresskartei seiner Fakultät so groß ist und es eigentlich immer gelingt, für die Praxismodule genügend Unternehmen zu finden, welche die Studierenden aufnehmen. Die Betriebe können sich freuen, denn ihre betrieblichen Fragestellungen werden von den Studierenden zu Forschungsaufgaben gemacht und mit vereinten Kräften an der Hochschule bearbeitet. Auf diese Weise entstanden bereits eine Vielzahl guter Lösungen, und an neuen Anwendungsbeispielen mangelt es ebenfalls nicht.


Prof. Arens-Fischer legt Wert darauf, dass ein Bestandteil der Ingenieurausbildung auch die Entwicklung einer ethisch verantwortungsvollen Haltung ist. Er sieht im Berufsbild des Ingenieurs weit mehr als den Techniker, der in der Lage ist eine kaputte Maschine zu reparieren, damit sie wieder wie vorher funktioniert. Wenn ein Problem auftritt, soll der Ingenieur dazu in der Lage sein, die beste Lösung zu finden und diese sollte folgende Faktoren berücksichtigen: Zeit, Kosten, Nachhaltigkeit und idealerweise auch Zukunftspotential enthalten und den Erfordernissen des modernen Technologiemanagements langfristig entsprechen.
Im dualen Masterstudium geht es dann weiter mit komplexeren Themen wie Technologieanalyse, dem Forschen nach neuen Werkstoffen und dem Thema Bioökonomie. Ein aktuelles Thema sind derzeit nachwachsende Rohstoffe, wie zum Beispiel Gräser als Dämmstoff.

Besuch vom Bundespräsidenten

Im März 2016 bereiste Bundespräsident Joachim Gauck die Bildungsregion Emsland. Er informierte sich über die wachsende Bedeutung von dualen Studiengängen für die Fachkräftegewinnung in der Region. Am Campus Lingen suchte er das Gespräch mit Studierenden und Professoren. Studiendekan Prof. Dr. Wolfgang Arens-Fischer und Studiendekan Prof. Dr. Michael Ryba stellten die Aufgaben einer regional kooperierenden Hochschule für den ländlichen Raum vor. Zahlreiche Praxisbeispiele konnten den Bundespräsidenten davon überzeugen, dass gerade duale Studiengänge durch ihre Praxisnähe und Anwenderorientierung einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung der Hochschulen mit der Arbeitswelt liefern. Im Labor für Allgemeinen Maschinenbau berichteten fünf Studentinnen und Studenten aus ihrem praxisnahen und anwenderorientiertem Studium. Im Labor für elektrische Antriebstechnik stellten fünf weitere Studentinnen und Studenten ihre jeweiligen Hochschulzugänge vor und zeigten dem Bundespräsidenten ein von Studierenden entwickeltes E-Kart, das jüngst den Weltrekord im Beschleunigen gewann.

Absolventenfeier

Wie jedes Jahr gibt es auch im Sommer 2016 wieder eine große Absolventenfeier auf dem Campus Lingen. Diese beliebte Veranstaltung ist Networking pur. Studierende, deren Eltern und Freunde, die Ausbildungsleiter und schließlich die Professorinnen und Professoren treffen hier zusammen und so manche berufliche Zukunftsperspektive wurde hier schon besiegelt. Schließlich kennt man sich nach einem Dualen Studium gut und weiß, worauf man sich einlässt, wenn man AbsolventInnen einstellt und als praxisnah qualifizierte Fachkräfte im Betrieb beschäftigt.

 

Hochschule Osnabrück, Campus Lingen